Madara Matrevica

Von Berlin nach Denver: Arthur Akpinars Leben an der University of Denver

13. Januar 2026|3 Min. Lesezeit|
Ben Zechmeister

"Es war die beste Entscheidung meines Lebens bisher." Wir hatten die Gelegenheit, mit einem unserer ehemaligen Athleten, Arthur Akpinar, über seine ersten Monate als Division-I-Golfer in den USA zu sprechen – und die Begeisterung in seiner Stimme war sofort spürbar. Der 19-jährige Berliner studiert an der University of Denver. Sein Weg ist ein Paradebeispiel dafür, wie der „American Dream“ für einen jungen Golfer aussehen kann.

Raus aus der Komfortzone

Der Wechsel von Deutschland nach Colorado verlief nicht ohne Herausforderungen. Arthur gibt offen zu, dass die ersten Wochen eine enorme Umstellung erforderten – und das nicht nur auf dem Golfplatz.

„Die größte Herausforderung war, dass es in den ersten zwei oder drei Wochen fast schon überwältigend war“, erklärt Arthur. „Ich bin eigentlich kein großer Schreiber, und plötzlich musste ich jede Woche ein bis zwei Essays verfassen. Aber man findet eine Routine. Mein Coach stellte klar: Wir müssen in der Uni abliefern, um Teil des Teams zu sein. Das hat meine Einstellung verändert – die akademische Leistung ist neben dem Sport auch ein wichtiger Faktor.“

Die harte Arbeit zahlte sich aus: Arthur schloss sein erstes Quartal mit einem beeindruckenden Notendurchschnitt (GPA) von 3.7 auf der 4.0 Skala ab. Er bewies damit, dass die Balance zwischen Spitzensport und anspruchsvollem Studium mit der richtigen Disziplin mehr als machbar ist.

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Andere Atmosphäre beim Training als in Deutschland

Für Arthur liegen die größten Unterschiede zwischen dem Golfsport in Deutschland und dem College-Golf in den USA in der Teamdynamik und der Intensität des Trainings. Während das Training in Deutschland oft eine ruhige Einzelsache war – jeder für sich mit seinen AirPods –, ist es in Denver ein hochenergetisches Teamevent:

  • Frühstart: Das Krafttraining im Gym beginnt montags, mittwochs und freitags um 5:30 Uhr morgens.
  • Atmosphäre: Laute Musik, Teamkollegen, die sich gegenseitig anfeuern, und ein hochprofessioneller Fokus.
  • Technik: Täglicher Einsatz von High-End-Technologie zur Feinabstimmung jedes Schwungs.

"Es ist viel intensiver und kameradschaftlicher“, sagt Arthur. „Im Gym pushen wir uns bis an unsere Grenzen. Wir schreien uns während der Sätze gegenseitig an, um uns zu hypen. Bei einem meiner ersten Workouts war mein Headcoach dabei und rief mir zu, ich müsse motivierter sein. Ich bin eigentlich eher ein ruhiger Typ, aber er hat mir gezeigt, welche Energie er erwartet, und da wurde mir klar: Okay, ich muss hier wirklich ans Limit gehen."

Der Wandel im Mindset

Golf ist traditionell ein Einzelsport, doch im US-College-System wird es zur Teamleistung. Arthur beschreibt sein Team als eine „Familie“, die gemeinsam isst, reist und wächst. Dieses Support-System half ihm auch, die Nervosität bei seinem ersten großen Turnier zu besiegen.

"Ich war am ersten Abschlag so nervös“, erinnert er sich. „Aber ich habe gelernt, die Situation anzunehmen und zu genießen. Mir wurde klar, dass ich als D1-Athlet zu den besten 1 % der Amateur-Golfer gehöre. Es ist ein Geschenk, hier zu sein. Wenn ich jetzt auf der Range stehe, denke ich mir: Ich schlage tausend Bälle pro Woche – warum sollte ich den Ball im Turnier nicht schlagen können? Dieser Wechsel im Mindset hat mir geholfen, besser zu spielen."

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Das Leben abseits des Grüns

Es dreht sich jedoch nicht alles nur um Golf und Studium. Arthur genießt den amerikanischen Lifestyle in vollen Zügen. Von seinem Mitbewohner im Studentenwohnheim, der Mitglied des Ski-Teams ist, bis hin zu NBA-Spielen der Denver Nuggets und NFL-Sonntagen mit seinen Teamkollegen – die soziale Erfahrung ist ebenso wertvoll wie die sportliche.

"Man lernt Dinge fürs Leben: Selbstständigkeit, Disziplin und eine neue Sprache. Außerdem entstehen im College extrem enge Freundschaften. Meine Teamkollegen sind unglaublich nett, was mir besonders in den ersten zwei Wochen sehr geholfen hat. Wir essen jede Mahlzeit zusammen, reden über unseren Tag und verbringen einfach Zeit miteinander."

Arthurs Rat

Für junge Golfer in Deutschland, die den Sprung in die USA in Erwägung ziehen, hat Arthur eine klare Botschaft:

Seid offen und versucht, den Moment zu genießen. Ich hatte auch Angst, weil ich allein war – aber nach zwei Wochen ist dieses Gefühl verflogen. Mein wichtigster Rat: Macht es einfach! Habt keine Angst und wagt den Schritt. Es war der beste Schritt meines bisherigen Lebens.

Während sich Arthur nun auf die Frühjahrssaison mit Turnieren in Arizona, Kalifornien und Phoenix vorbereitet, steht eines fest: Seine Reise in Denver hat gerade erst begonnen.


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